Gigant auf Spezialketten für WTD Meppen.

Bergmann Maschinenbau GmbH & Co. KG entwickelt Prototyp

Einen Prototyp hat die Meppener Firma Bergmann Maschinenbau GmbH & Co. KG produziert. Das Besondere daran: Das Raupenfahrzeug kann trotz des enormen Gewichtes in Moorgebieten eingesetzt werden.
Auftraggeber ist die Bundeswehr oder besser gesagt das Bundeswehrdienstleistungszentrum in Leer. Wie dessen Leiter Klaus Steinl bei einem Informationsgespräch in Meppen sagte, ist das Fahrzeug speziell für die FFH-Gebiete wie Tinner Dose auf dem 21.000 Hektar großen Areal der Wehrtechnischen Dienststelle 91 in Meppen entwickelt worden. „Es gab eine europaweite Ausschreibung, bei der sich Bergmann durchgesetzt hat.“ Wie Geschäftsführer Hans-Hermann Bergmann sagte, musste die Firma personelle und technische Ressourcen zusammenziehen, um das Vorhaben umsetzen zu können: „Wir haben im Juli 2016 den Auftrag erhalten und wollen Ende Januar das Fahrzeug bereits übergeben.“

Dabei weiß Herbert Grünloh als Meister der WTD-Geländebetreuung um die besonderen Anforderungen: „Selbst Traktoren besitzen in dem feuchten Gelände keine Tragfähigkeit mehr.“ Gleichwohl will die Bundeswehr die Landschaftsschutzflächen pflegen und schützen. „Deshalb müssen wir den Aufschlag mit Birken und Traubenkirschen bremsen“, so Grünloh. Auf der anderen Seite darf das Fahrzeug die Bodennarbe nicht beschädigen. Denn dann bestünde die Gefahr, dass es in dem unwegsamen Gelände einsinkt.

Bergmann und sein Bereichsleiter für Fahrzeugbau, Dirk Fasthoff, stellten sich mit dem Team den Vorgaben. „Wir bauen Standardkettenfahrzeuge seit 2010“, so Bergmann. In diesem Gelände darf die Belastung pro Quadratzentimeter aber 150 Gramm nicht überschreiten. Zum Vergleich: Der menschliche Fußabdruck bringt es auf 700 Gramm pro Quadratzentimeter.

Trotz des Einsatzes besonders leichter Materialien wie Aluminium und Feinkornstahl verfügt das Gerät immer noch über ein Gewicht von 21 Tonnen. Die über einen Meter breiten Ketten aus Kunststoff verteilen das Gewicht gleichmäßig auf die Fläche. Die Spezialfräse des Fahrzeuges kann bis zu 35 Zentimeter dicke Baumstämme zu Kleinholz verarbeiten. Angetrieben wird das Fahrzeug von einem 320 PS starken Motor. Bei Ausmaßen von drei Meter Breite und Höhe sowie einer Länge von 8,50 Metern kann das Fahrzeug per Tieflader transportiert werden. Dabei besitzt es eine Fahrerkabine. Hier kann der Fahrer seine Position um 360 Grad drehen. Zudem kann er über eine Notluke im Dach aussteigen, falls der Gigant doch mal einsackt.

Per Fernbedienung

Im Gelände selbst wird das Gerät meist per Fernbedienung zum Einsatz kommen. „Über diverse Kameras sowie Laptops und ein Schaltgerät lässt sich das Fahrzeug selbst aus einem Kilometer Entfernung noch steuern und bedienen“, sagt Fasthoff. Die WTD 91 wird in den kommenden Wochen zwei Mitarbeiter entsprechend schulen.

Beide Seiten sagten, dass sie von der räumlichen Nähe sehr profitierten: „Wir konnten uns das Gelände vor Ort anschauen und wussten genau, was der Auftraggeber für Ansprüche an uns hat“, sagte Bergmann. Der Meppener Bürgermeister Helmut Knurbein ergänzte: „Es ist toll, dass es eine Meppener Spezialfirma gibt, die sich gegen internationale Konkurrenz behauptet.“

Die Kosten für den Prototyp liegen im mittleren sechsstelligen Bereich. Dabei hofft Bergmann Maschinenbau auf weitere Aufträge. Wie WTD-Mitarbeiter Grünloh sagt, gibt es bereits Anfragen von anderen Truppenübungsplätzen wie Munster und Bergen. Auch dort gebe es großräumige vernässte Flächen. Weiter sei das Fahrzeug auch für Moorverwaltungen sehr interessant. Bergmann hofft auf Folgeaufträge für die Meppener Firma mit ihren 240 Beschäftigten.

Autor: Hermann-Josef Mammes
Quelle: NOZ vom 13.01.2017